Verfassung 2016

Die Verfassung der AWO Kita „Sternschnuppe" in Kempten

Präambel

(1) Vom 2. – 4. April 2013 trat im AWO Kinderhaus Sternschnuppe in Kempten das pädagogische Team als Verfassungsgebende Versammlung zusammen. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen verständigten sich auf die künftig in der Einrichtung geltenden Partizipationsrechte der Kinder.

(2) Die Beteiligung an allen sie betreffenden Entscheidungen und ein respektvoller Umgang mit ihren Interessen und Bedürfnissen werden damit als Grundrechte der Kinder anerkannt. Die pädagogische Arbeit soll an diesen Grundrechten ausgerichtet werden.

(3) Gleichzeitig ist die Beteiligung der Kinder eine notwendige Voraussetzung für gelingende (Selbst-) Bildungsprozesse und die Entwicklung demokratischen Denkens und Handelns.

Abschnitt 1: Verfassungsorgane

§ 1 Verfassungsorgane

Verfassungsorgane des AWO Kinderhauses „Sternschnuppe" sind die Kinderkonferenzen in den Gruppen „Sternchen" (Krippenkinder), „ jüngere Sonnenkinder", „mittlere Sonnenkinder", Mondkinder/Vorschulkinder (Kindergartenkinder) und „Planetenkinder" (Hortkinder).

Der „Sternschnuppenrat" wird als situationsorientierte Form umgesetzt.

§ 2 Kinderkonferenzen

(1) Die Kinderkonferenzen finden nach Bedarf in den fünf oben genannten Altersgruppen statt.

(2) Die Teilnahme ist für die Kinder freiwillig.

(3) Die Kinderkonferenzen entscheiden über Angelegenheiten, die nur die beteiligten Kinder und pädagogischen Mitarbeiter_innen betreffen.

(4) Themen für die Kinderkonferenzen sind auch Feste und Projekte von und für die Kinder. Die Themen können von den Erwachsenen und den Kindern vorgeschlagen werden.

(5) Die „Sternchen" werden von den pädagogischen Mitarbeiter_innen an eine Gesprächskultur in den Kinderkonferenzen herangeführt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten werden sie an Entscheidungsprozessen beteiligt.

(6) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen benennen den Raum, in welchem die Kinderkonferenzen stattfinden.

(7) Es entscheidet die einfache Mehrheit aller anwesenden Stimmberechtigten, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder.

(8) In den Kinderkonferenzen jeder Altersgruppe wird sich für ein Thema und höchstens zwei Inhalte entschieden.

(9) Die Ergebnisse jeder Altersgruppe werden für alle sichtbar auf Plakaten mit Symbolen und Schrift in der Begegnungshalle veröffentlicht.

(10) Werden aus den Kinderkonferenzen unterschiedliche Ergebnisse sichtbar, wird ein neu gebildeter Sternschnuppenrat einberufen, indem jede Altersgruppe aus den kandidierenden Kindern zwei Abgeordnete wählt.

(11) Die Abgeordneten nehmen die Ergebnisse als Vorschläge mit in den Sternschnuppenrat.

§ 3 Sternschnuppenrat

(1) Die zwei gewählten Abgeordneten aus jeder Altersgruppe und mindestens zwei pädagogische Mitarbeiter_innen bilden den Sternschnuppenrat und vertreten die Vorschläge ihrer Altersgruppe. Jeder Teilnehmer erhält eine Stimme.

(2) Der Sternschnuppenrat trifft sich nach Bedarf im Forscherraum. Der Termin sowie die jeweiligen Abgeordneten werden durch einen Aushang an der Flip Chart in der Begegnungshalle veröffentlicht.

(3) Der Sternschnuppenrat wählt ein Thema aus allen Vorschlägen und beachtet dabei das Mehrheitsprinzip, jedoch nie gegen die Stimmen aller Erwachsenen oder gegen die Stimmen aller Kinder.

(4) Eltern und Trägervertreter haben das Recht an der Ratssitzung teilzunehmen. Dabei haben sie ein Anhörungs- und Antragsrecht, aber kein Stimmrecht.

(5) Die Leitung hat das Recht mit Stimmrecht an der Ratssitzung teilzunehmen.

(6) Die Moderation des Sternschnuppenrates liegt in der Verantwortung der pädagogischen Mitarbeiter_innen. Die Kinder werden an die Moderation

herangeführt. Ziel ist, eine selbstständige Moderation von Kindern zu erreichen.

(7) Das Ergebnis wird als Beschluss für alle sichtbar auf Plakaten mittels Symbolen und Schrift ergänzt. Diese werden dann durch Aushänge in der Begegnungshalle veröffentlicht.

Abschnitt 2: Zuständigkeitsbereiche

§4 Aktionen/Angebote

(1) Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, an welchen Aktionen/Angeboten sie teilnehmen. In jedem geöffneten Funktionsraum ist die Kinderanzahl begrenzt.

(2) Die Teilnahme der Kindergartenkindern an folgenden Aktionen ist verbindlich:

-Würzburger Trainingsprogramm für die betroffenen Kinder

  -Kooperation mit der Nordschule für die Vorschulkinder

  -Vorkurs Deutsch für die betroffenen Kinder

  -Geburtstagsfeiern an Freitagen

  -dem Morgenkreis und Spaziergängen am Montag.

(3) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen bieten situationsorientiert und an den Bedürfnissen der Kinder orientierte zusätzliche Angebote in den Funktionsräumen an.

(4) Die Kinder bestimmen bei der Gestaltung von Aktivitäten durch Kinderkonferenzen und ggf. dem Sternschnuppenrat mit. Das finanzielle Budget wird von der Kinderhausleitung vorgegeben.

§ 5 Mahlzeiten

(1) Die Kinder haben das Recht bei der Brotzeit selbst zu entscheiden, ob, was, wie viel und mit wem sie essen.

(2) Die Kindergartenkinder und die Hortkinder haben das Recht mit zu entscheiden, in welcher der Essensgruppen sie zu Mittag essen. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, die Zeiten der Essensgruppen festzulegen und die Gruppen situationsorientiert zu bilden.

(3) Beim Mittagessen haben die Kinder das Recht selbst zu entscheiden was, wie viel und mit wem sie essen wollen. Das Probieren einzelner Speisen wird angeregt, damit sich die Kinder mindestens eine Sache vom Essen zum Verzehr aussuchen.

Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, die Portionen des Mittagessens in Abhängigkeit von der gelieferten Menge zu rationieren.

Die pädagogischen Mitarbeiter_innen haben das Recht die Kinder zum Trinken aufzufordern.

(4) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, die Regeln der Tischkultur zu bestimmen.

Hierzu zählen:

1. ab dem Kindergartenalter sollen die Kinder mit dem entsprechenden Besteck essen,

2. es wird am Tisch für Krippenkinder in der Krippe, im Bistro für Kindergarten- und Hortkinder gegessen,

3. den Essensplatz zu säubern. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich jedoch das Recht vor, bei Krippenkindern den Platz selbst zu säubern.

(5) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen bestimmen über die Auswahl des Mittagsmenüs.

(6) Die Kinder dürfen selbst entscheiden ob und wie oft sie in der Zeit von 6:45 bis 10:00 Uhr oder von 14:00 bis 15:30 Uhr Brotzeit an den ausgewiesenen Brotzeitorten (Krippe und Bistro, ggf. bei Sonnenschein im Garten) machen und was sie dabei essen möchten.

§ 6 Ruhepausen

(1) Alle Kinder haben das Recht zu entscheiden, ob, wann und wie lange sie schlafen möchten. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, die Schulkinder zu den Hausaufgaben und die Krippenkinder nach zwei Stunden zu wecken.

(2) Die Kindergartenkinder und die Planetenkinder haben das Recht zu entscheiden ob sie im Rollenspielraum, im Forscherraum oder im Snoozelraum schlafen oder sich ausruhen möchten.

§ 7 Anschaffungen

(1) Die Kinder haben im Rahmen der Kinderkonferenzen das Recht über alle Anschaffungen die sie unmittelbar betreffen abzustimmen. Die Kinderhausleitung behält sich jedoch das Recht vor, über das finanzielle Budget und Hygieneartikel selbst zu bestimmen.

§ 8 Ämter/Dienste

(1) Die Kinder haben das Recht zu entscheiden, für welchen Dienst (Blumendienst, Garderobendienst, Bodenpolizei) sie die Verantwortung übernehmen wollen.

(2) Die Ämterverteilung wird für Krippen- und Kindergartenkindern jeden Montag im Morgenkreis und für Hortkinder jeden Freitag bei einem kurzen Treffen besprochen und wöchentlich festgelegt.

§ 9 Beziehungen

(3) Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, welche pädagogischen Mitarbeiter_innen ihre Bezugserzieher_innen sind.

(4) Die Kinder haben das Recht zu anderen Kindern Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.

§ 10 Aufenthalt im Freien

(1) Alle Kinder haben das Recht auf einen Aufenthalt im Freien.

(2) Die Vorschulkinder und die Hortkinder haben das Recht alleine in den Garten zu gehen. Ein_e pädagogische_r Mitarbeiter_in muss dafür die Verantwortung übernehmen und behält sich das Recht vor, über Anzahl, den Spielbereich und das Spielmaterial zu entscheiden.

(3) In der Zeit von 7:00 bis 8:00 Uhr und von 16:00 bis 16:45 Uhr ist Gartennutzung nur unter Aufsicht einer pädagogischen Mitarbeiter_in möglich.

(4) Die Kindergartenkinder und die Hortkinder haben das Recht zu entscheiden, wie sie rutschen, wie hoch sie klettern dürfen und wie sie Dreirad fahren. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, das Dreiradfahren nur auf den Steinplatten zu erlauben.

(5) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, den Garten aus organisatorischen Gründen oder aufgrund von Regelverstößen zu schließen. Desweiteren bestimmen sie die Vorkehrungen für den Sonnenschutz.

§ 11 Kleidung

(1) Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, wie sie sich in den Innenräumen und im Außenbereich der Einrichtung kleiden.

Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich jedoch das Recht vor zu bestimmen,

1. dass sich die Krippenkinder der Witterung entsprechend im Außenbereich kleiden,

2. dass die Kinder im Gang, im Bistro und im WC (ausgenommen Krippe) Hausschuhe tragen müssen,

3. dass die Kinder mindestens mit Rock/Hose, Windel oder Badekleidung bekleidet sein müssen,

4. wie sich die Kinder bei gesundheitlichen Einschränkungen kleiden,

5. dass Spielgeräte mit Schlappen, Pantoletten und Absatzschuhen nicht benutzt werden dürfen.

§ 12 Raumgestaltung

(1) Die Kinder haben das Recht über die Gestaltung und die Ausstattung mit Spielmaterial in den Räumen zu entscheiden. Dieses Recht gilt nicht für das Büro, den Personalraum, das WC, die Küche, das Lager, den Putzraum und den Raum für den Hausmeister.

(2) Alle sechs Monate haben die Kinder das Recht darüber zu entscheiden, ob sie festes Mobiliar verrücken möchten. Dabei sind die geltenden Sicherheitsvorschriften zu beachten.

(3) Das Spielmaterial bleibt in den Räumen, die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor in Ausnahmefällen eine Benutzung in anderen Räumen zu gestatten.

§ 13 Hausaufgaben

(1) Die Hortkinder haben das Recht von Montag bis Donnerstag zu entscheiden, wann sie in der Zeit von 11.00 – 15.45 Uhr ihre Hausaufgaben erledigen. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor nach 1,5 Stunden Hausaufgabenzeit des Kindes, diese zu beenden.

Spätester Hausaufgabenbeginn ist um 13:45 Uhr.

In der Zeit von 13.45 – 15.45 Uhr wird die Hausaufgabenerledigung pädagogisch betreut.

(2) Die Hortkinder, welche am Nachmittag Unterricht haben, dürfen selbst entscheiden, ob sie die Hausaufgaben erledigen.

§ 14 Regeln

(1) Die Kinder haben das Recht über die Ge- und Verbote im Haus mitzubestimmen. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, über die Regeln des Aufenthaltes in den Krippenräumen zu entscheiden.

(2) Die Kinder haben das Recht zu entscheiden, wann sie zur Toilette gehen, dass sie alleine in die Turnhalle gehen dürfen, mit welchem Tempo sie sich im Haus fortbewegen und wo sie sich hinsetzen. Die gesetzlichen Vorgaben sind hier zu beachten (z. B. nicht auf Heizkörper setzen).

(3) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, folgende Regeln für das soziale Miteinander zu bestimmen.

Hierzu zählen:

1. Die seelische und körperliche Unversehrtheit aller Menschen ist zu gewährleisten.

2. Material- sowie Sachbeschädigungen sind zu vermeiden.

3. Die Einrichtung darf nur nach vorheriger Absprache verlassen werden.

4. Das Grundstück darf nur in Begleitung eines Erwachsenen verlassen werden.

5. In der Küche, im Lager, im Putzraum und im Raum für den Hausmeister haben Kinder keinen Zutritt.

6. In den Innen- und Außenräumen ist Handyverbot.

7. Die allgemeingültigen Sicherheits- und Brandschutzbedingungen sind einzuhalten.

8. Jedes Kind hängt sein persönliches Bild für den Raumwechsel um.

(4) Bei Regelverstößen haben die betroffenen Kinder ein Anhörungsrecht über die Konsequenz für sie.

§ 15 Personal

(1) Die Kinder haben bei Neueinstellungen des pädagogischen Personals ein Anhörungsrecht.

§ 16 Hygiene

(1) Die Kinder haben das Recht selbst zu entscheiden, ob, wann und von wem sie gewickelt und umgezogen werden. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, dass ein Kind gewickelt werden muss,

1. wenn sich andere Personen durch die Ausscheidungen des Kindes belästigt fühlen,

2. wenn sie eine Beschmutzung von Einrichtungsgegenständen durch die Ausscheidungen des Kindes befürchten.

(2) Die pädagogischen Mitarbeiter_innen behalten sich das Recht vor, die Kinder zum Händewaschen anzuhalten.

(3) Die Kinder haben das Recht alleine und ohne Hilfe auf die Toilette zu gehen.

Abschnitt 3: Geltungsbereich und Inkrafttreten

§ 17 Geltungsbereich

Die vorliegende Verfassung gilt für das AWO Kinderhaus „ternschnuppe" in Kempten. Die pädagogischen Mitarbeiter_innen verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, ihre pädagogische Arbeit an den Beteiligungsrechten der Kinder auszurichten.

§ 18 Inkrafttreten

Die Verfassung tritt zum 01. September 2013 nach Unterzeichnung durch die pädagogischen Mitarbeiter_innen des AWO Kinderhauses Sternschnuppe in Kraft.

Abschnitt 4: Übergangsbestimmungen

§ 19 Verabschiedung der Verfassung

Der Verfassungsentwurf wurde von den pädagogischen Mitarbeiter_innen des AWO Kinderhauses „ternschnuppe" in Kempten verabschiedet. Die erste Lesung fand am 22.04.2013 statt.

Die zweite Lesung fand vom 03.06. bis 07.06.2013 in einer Lesungswoche gemeinsam mit den pädagogischen Mitarbeiter_innen statt. Die Auswahl der Teammitglieder fand nach Absprache statt. Die Eltern hatten ein Antrags- und Anhörungsrecht.

Die pädagogischen Mitarbeiter_innen entschieden nach der Lesungswoche in einem Konsens über die Form die Verfassungsentwurfsverabschiedung.

Aufgrund der Reflexion am 13.01.14 haben die pädagogischen Mitarbeiter_innen die Verfassung das erstemal im Konsens überarbeitet.

Am 30.10.14 erfolgte eine sprachliche Überarbeitung der Verfassung.

Am 04.08.15 erfolgte eine Überarbeitung § 4 und § 13.

Am 30.11.15 erfolgte eine Überarbeitung § 4 und § 13.

Am 07.02.16 erfolgte eine Überarbeitung § 9

§ 20 Einführung der Gremien

Die Einführung und der Meinungsbildungsprozess von § 7 Anschaffungen und § 12 Raumgestaltung (2) sollen bis Ende Februar 2015 im Rahmen des alltäglichen Tuns mit den Kindern eingeführt werden. Anhand der Reaktionen der Kinder behalten sich die pädagogischen Mitarbeiter_innen vor, wie die weitere Vorgehensweise gestaltet wird.

Unterschriften der pädagogischen Mitarbeiter_innen:

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